Feline Infectious Peritonitis (FIP)

Was ist FIP?

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FIP ist die Abkürzung für „Feline Infektiöse Peritonitis“ (Infektiöse Bauchfellentzündung). Sie ist eine weltweit unter allen Feliden, also Katzen, verbreitete Viruserkrankung, die bis zur Veröffentlichung der Studie von Pedersen unheilbar und einmal ausgebrochen immer tödlich war. Der Name leitet sich von der feuchten Ausprägung der Erkrankung ab. FIP ist aber viel komplexer und Entzündungen können nicht nur am Bauchfell, sondern an allen Organen inklusive dem Zentralen Nervensystem (ZNS), entstehen.

Seit wann gibt es FIP?

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Die Erkrankung FIP wurde zum ersten Mal in den frühen 60er Jahren beschrieben. 1978 gelang die erste Virusisolation und im Jahr darauf konnte der Erreger der FIP als Coronavirus klassifiziert werden.
Bis Mitte der 1990er Jahre wurde davon ausgegangen, dass es sich um zwei verschiedene Coronaviren handeln würde, das „Feline Enterale Coronavirus“ (FECV) und das „FIP-Virus“ (FIPV). 
Inzwischen weiss man, dass das FIPV spontan durch Mutation aus FECV entsteht. Das Feline Coronavirus wird heute einheitlich mit FCoV abgekürzt.

Wie entsteht FIP?

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Voraussetzung für FIP ist das anfangs harmlose Feline Coronavirus (FCoV). Das FCoV verursacht bei Katzen meist milde bis mittlere Durchfallerkrankungen, die manchmal von Fieber und Schnupfensymptomen begleitet sind. Der Grad der Erkrankung ist weitgehend vom Alter des Tieres abhängig und von dessen Immunsystem. Bei erwachsenen Tieren werden häufig gar keine Krankheitserscheinungen beobachtet. 

Das gefährliche FIP verursachende Coronavirus entsteht, wenn es im Darm der Katze zu einer Mutation (Veränderung des genetischen Materials) in bestimmten Genen kommt. Es ist immer noch ein Coronavirus, aber eine aggressive Mutation.

Welche Faktoren führen zum Ausbruch einer FIP?

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Ein ganz wichtiger Faktor ist der Infektionsdruck, dem eine Katze ausgesetzt ist: Gerade in großen Gruppen, wo viele Katzen auf engem Raum zusammen leben, ist der Infektionsdruck besonders hoch. Infizierte Tiere deponieren mit ihrem Kot Coronaviren in die Kotkistchen. Dadurch werden die späteren Benutzer einem hohen Infektionsdruck ausgesetzt. Die Benutzung gemeinsamer Kotkistchen ist die Hauptübertragungsquelle für die weite Verbreitung von Coronaviren.


Der Faktor Stress ist ein weiterer wesentlicher Aspekt: In einer Studie waren fast 50 % der Tiere mit FIP einer Stress-Situation ausgesetzt bevor die Krankheit ausbrach. Hierzu zählten Besitzerwechsel, Aufenthalte in Katzenpensionen und Tierheimen, Impfungen, Kastrationen, Wurmkuren (Kombipräparate), häufige Ausstellungsbesuche sowie Tierarztbesuche. Diese Situationen bedeuten für die Katze eine nicht zu unterschätzende Belastung.

 

Das Immunsystem spielt ebenfalls eine sehr wichtige Rolle: Ein intaktes Immunsystem kann eine massive Vermehrung der Erreger verhindern. Katzen, die bereits an anderen Infektionen leiden, die das Immunsystem schwächen, sind wesentlich anfälliger für das Entstehen einer FIP. Das sind z.B. Infektionen wie die Feline Leukose (FELV) oder das Feline Immunschwächevirus (FIV). Auch Parasiten, Bakterien, chronische Erkrankungen oder vermehrter Einsatz von Kortison oder anderen Medikamenten können das Immunsystem schwächen.


Eine körperlich gesunde Katze, die in einer kleinen, sozial stabilen Katzengruppe lebt, möglichst stressfrei, hat die besten Voraussetzungen, nach einer Coronavirus-Infektion niemals an FIP zu erkranken. Idealerweise sollten Katzen in Kleingruppen von 2 bis max. 4 Katzen zusammenleben.

Welche Katzen sind empfänglich für FIP?

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Prinzipiell sind alle Katzenarten und Altersgruppen für FIP empfänglich. Insbesondere Katzen, die ein schwaches Immunsystem haben und junge Katzen bis zum Alter von ca. 12 Monaten, erkranken häufiger, weil sie noch kein ausgeprägtes Immunsystem haben und sich noch im Wachstum befinden.

Welche Arten von FIP gibt es?

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Früher nahm man an, dass die FIP in eine feuchte (exsudative) und in eine trockene (granulomatöse) Form unterschieden wird. Nach neuesten Studien weiss man, dass immer eine Mischform vorliegt und FIP lediglich mehr feucht oder mehr trocken ausgeprägt sein kann. 


Überwiegt die trockene Form, können Veränderungen im Zentralen Nervensystem (neurologisch) und an an den Augen (okular) entstehen. Meist bilden sich aber auch nur entzündliche Knötchen in den inneren Organen wie Milz, Leber, Nieren, Lymphknoten oder Bauchspeicheldrüse. Bei der trockenen Verlaufsform ist das Immunsystem der Katze noch in der Lage das Fortschreiten der Krankheit zu verzögern, was zu einer langsameren Verlaufsform als bei der feuchten FIP führt. Umso schwerer ist es für Tierärzte, diese Verlaufsform zu diagnostizieren, da die Symptome wie Abmagerung und Lethargie auch bei anderen Krankheiten auftreten können.


Bei der eher feuchten Form kommt es etwa 1 bis 3 Wochen nachdem die ersten Krankheitssymptome aufgetreten sind, zu einer Flüssigkeitsansammlung (Aszites) in der Bauch- oder Brusthöhle. Die Flüssigkeit ist eiweißreich, gelblich und zähflüssig. Hat sich ein Erguss in der Brusthöhle gebildet, kommt es im Verlauf der Krankheit vermehrt zu Atembeschwerden bis hin zur Atemnot. Wenn sich Erguss in der Bauchhöhle gebildet hat, erweitert sich der Bauchumfang erheblich, während das Tier weiter abmagert. Es entsteht der für FIP typische Birnenbauch. Meist wird FIP durch Fieberschübe begleitet.

Wie wird FIP diagnostiziert?

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Keine andere Krankheit der Katze wird so kontrovers in der Fachwelt diskutiert und sorgt für so viele Missverständnisse bei den Katzenhaltern wie FIP. Unwissenheit und mangelhafte Aufklärung führen immer wieder zu Fehleinschätzungen und Falschaussagen rund um das Thema FIP. FIP bereitet den Tierärzten nach wie vor große Probleme, da die Symptome auch auf andere Katzenkrankheiten passen können und die richtige Diagnostik nicht jedem Arzt bekannt ist. FIP ist sehr komplex, aber mit den richtigen Untersuchungen durchaus sicher zu diagnostizieren.

Das diagnostische Gesamtbild setzt sich aus verschiedenen Puzzleteilen zusammen.

Zu den klinischen Untersuchungen zählen ein großes Blutbild samt Elektrophorese und diverse Labor- sowie Röntgen- und Ultraschall-Untersuchungen.

Weiterhin spielen die Symptome und Allgemeinverhalten, Lebensumstände, Vorgeschichte, weitere Erkrankungen, Alter und Rasse der Katze eine Rolle.

Die genauen Informationen zur richtigen Diagnostik bei allen FIP Ausprägungen entnehmen Sie bitte der Unterlage „Diagnoseverfahren“ in der Rubrik „Informationen und Links“.

Wie infizieren sich Katzen mit dem Feline Coronavirus (FCoV)?

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Katzen nehmen den Erreger über Mund oder Nase auf, wenn sie in Kontakt mit infizierten Kot, Harn oder Speichel kommen. Die Hauptübertragungsquelle der Coronaviren ist dabei der Katzenkot. Coronaviren sterben in der Regel relativ schnell ab, wenn sie ausgeschieden werden. Allerdings gibt es einige FCoV-Stämme, die nach Antrocknen auf Oberflächen bis zu 7 Wochen lang bei Raumtemperatur infektiös bleiben. Deshalb können Coronaviren auch indirekt über kontaminierte Kleidungsstücke oder Gegenstände wie Katzentoiletten, Futterschalen oder Schlafkörbe übertragen werden. Die Infektion kommt am häufigsten bei jungen Tieren vor. Welpen infizieren sich meist mit 6 bis 8 Wochen, wenn der Schutz der mütterlichen Antikörper nachlässt. Von einer Übertragung des Coronavirus vom Muttertier auf die ungeborenen Jungen wird zwar berichtet, sie spielt unter natürlichen Bedingungen jedoch keine große Rolle. Oftmals zeigen Katzen keine klinischen Symptome, aber scheiden FCoV periodisch aus und dienen so als Ansteckungsquelle für andere Katzen. Die Katzen sind für einige Wochen, Monate oder dauerhaft Trägertiere und geben das Virus an empfängliche Tiere weiter. Allerdings sind viele Tiere in der Lage, eine FCoV-Infektion erfolgreich zu überwinden. Das kann jedoch mehrere Monate bis Jahre dauern.


Die Katze infiziert sich nicht mit dem FIP-Virus, sondern mit dem Felinen Coronavirus. Erst wenn dieses Virus im Körper der Katze mutiert, entsteht die Krankheit FIP. Fast alle Katzen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit dem an für sich harmlosen FCoV.


Nicht die FIP ist ansteckend, sondern nur die FCoV!

Gibt es eine Heilungschance?

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Ja, FIP ist jetzt heilbar.

Im Februar 2019 veröffentlichte Prof. Dr. Pedersen von der UC Davis in Kalifornien die Studie „Efficacy and safety of the nucleoside analog GS-441524 for treatment of cats with naturally occurring feline infectious peritonitis“.

Seit Veröffentlichung der Studie konnten weltweit schon Zehntausende Katzen gerettet werden, Tendenz steigend. Alleine im deutschsprachigen Raum sind es mehrere Tausend Katzen, die die Therapie seit 2019 erfolgreich durchlaufen haben und wieder gesund sind.

Da der Wirkstoff GS-441524 derzeit offiziell nur für Forschungszwecke zugelassen ist, besorgen sich Besitzer das Medikament selbst und behandeln mindestens 12 Wochen lang. Tierärzte begleiten die Therapie mit den notwendigen Kontrolluntersuchungen.

Wie weit ist das FCoV verbreitet?

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Feline Coronaviren kommen weltweit nicht nur bei unseren Hauskatzen vor, sondern auch bei Wildfeliden wie Geparden, Löwen, Leoparden und anderen kleineren Katzenarten. Besonders häufig ist das Virus vor allem dort, wo viele Tiere auf engem Raum gehalten werden wie z.B. in Katzenzuchten, Tierhandlungen, Tierheimen oder Haushalten mit vielen Katzen.

In der Schweiz und in Deutschland geht man davon aus, dass mindestens 50 % aller Einzelkatzen mit Freigang und 80 % aller Tiere aus Katzenzuchten, Tierheimen und Mehrkatzenhaushalten schon einmal Kontakt mit dem Coronavirus hatten. In Mehrkatzenhaushalten entwickeln aber nur etwa 5 % aller mit FCoV infizierten Katzen eine FIP, in Einzelhaushalten noch weniger.

Obwohl das FCoV weltweit vorkommt, und die Katzen das Virus in sich tragen, kommt die FIP nur bei etwa 5 bis 12 % der FCoV-infizierten Tiere jemals zum Ausbruch. Bezogen auf die gesamte Katzenpopulation hat die FIP eine Vorkommenshäufigkeit von nur 1 bis 2 %.

FIP tritt sporadisch auf, da die Mutationen zufällig im Individium stattfinden und nur das Einzeltier betreffen.

Was ist das GS-441524?

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